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Hakenabstände

Wer zum ersten Mal im Frankenjura unterwegs ist, wundert sich vielleicht über den Hakenabstand oder darüber, dass der Clipstick zuweilen nicht einmal bis zum ersten Sicherungspunkt reicht. Gerade für Kletterer, die sonst in der Halle unterwegs sind, ist dies eine ungewohnte und vielleicht sogar gefährliche Situation. Nicht wenige dürften sich fragen:

Ist der Frankenjura nicht ein Sportklettergebiet?

Das Bild zegt einen Kletterer während des Sonnenuntergangs in der Kletterroute Sautanz an den Oberen Gößweinsteiner Wänden
Ein Kletterer im Sautanz an den Oberen Gößweinsteiner Wänden – Foto: Michael Simon

Ja und nein. Die Erschließung von Felsen begann schon sehr früh und viele klassische Routen waren bereits vor hundert Jahren schon erschlossen. Damals war der Frankenjura Trainingsgebiet für große alpine Unternehmungen. Anfangs gab es nur Schlaghaken‎ und Holzkeile, und so wagte man sich vor allem an Risse und Kamine. Nachdem es weder Klettergurt noch Sicherungsgeräte gab, war stürzen sehr gefährlich. Nicht selten endete ein Sturz tödlich, deshalb wurden auch nur wenige Sicherungspunkte angebracht. Oft dienten diese nur dazu, technisch voranzukommen.

In der zweiten großen Erschließungswelle, im Zuge der Rotpunktbewegung, gab es zwar schon Sitzgurte, dyna‎mische Seile und Bühlerhaken, aber die Absicherung blieb oft sehr spärlich. Die Bohrlöcher für die Haken mussten per Hand geschlagen werden. Pro Loch brauchte man locker eine halbe Stunde oder mehr. Bühlerhaken waren oft Mangelware, da diese noch in Handarbeit gefertigt wurden. Nicht zuletzt brachten die Erschließer Einflüsse aus anderen Gebieten ein. Die sächsische Schweiz (Elbsandsteingebirge), mit den dort sehr weiten Ringabständen, inspirierte sie ebenso wie der Clean-Klettergedanke des Yosemite. Schlussendlich blieb nach wie vor eine Prägung durch alpine Vorstellungen.

Eine grundlegende Änderung setzte erst in den 1990er Jahren ein. Akkubohrmaschinen, gute Verfügbarkeit an Haken und der Plaisirklettergedanke‎ sorgten nun für gut gesicherte Wege. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings schon viele Routen, gerade in den leichten Graden, erschlossen, somit ist der Anteil an komplett mit Haken ausgerüsteten leichteren Wegen geringer.

Warum gibt es nicht Hakenabstände wie in der Kletterhalle?

Eine flächenmäßige Nachrüstung ist aus ethischen und auch teilweise aus naturschutzfachlichen Gründen nicht möglich. Ein Hakenkrieg, wie ihn die Pfalz erlebt hat, schadet allen Kletterern. In einzelnen Fällen wurde und wird allerdings auch eine Nachsanierung akzeptiert (siehe dazu das Sanierungsstatement).

Mobile Sicherungen

Für einen Besuch im Frankenjura empfiehlt sich also ein Keilsortiment, ein paar Tricams, sowie eine Hand voll Schlingen. Ohne eine vernünftige Selbsteinschätzung und Sachkenntnis im Umgang mit mobiler Sicherung hilft dies aber auch nichts. Gerade die zahlreichen Unfälle mit Sanduhren zeigen hier leider ein Defizit in der Ausbildung der Kletterer – Jeder möge kritisch prüfen, ob wirklich das nötige Wissen besteht.

Das Bild zeigt ein Klemmkeil-Set auf einem Felsen am Boden liegend
Ein Set Klemmkeile – Foto: Andreas Schneider

Auch wenn es manchmal als persönliche Niederlage betrachtet wird: ein Clipstick oder die Frage an einen stärkeren Kletterer, ob er oder sie ein Toprope einhängen könnte, hat schon einige gefährliche Situationen vermieden.

An einigen Felsen gibt es auch Plaisir-Absicherung. Ein Blick in den Kletterführer hilft oft weiter.

Wir wünschen euch viel Spaß und unfallfreie Tage bei uns!