Hakenabstände


Absicherung in Franken

Viele Besucher aus Nah und Fern, die zum ersten Mal im Frankenjura unterwegs sind, werden über so manchen Hakenabstand verwundert sein. Gerade für Kletterer, die sonst in der Halle unterwegs sind, ist dies eine ungewohnte und vielleicht sogar gefährliche Situation.

Fight Gravity

Ist der Frankenjura nicht ein Sportklettergebiet? Ja und nein. Die Erschließung begann schon sehr früh. Vor über hundert Jahren waren schon viel klassische Routen erschlossen. Damals war der Frankenjura Trainingsgebiet für große alpine Unternehmungen. Anfangs gab es nur Schlaghaken‎ und Holzkeile, und so wurden vor allem Risse und Kamine erschlossen. Nachdem es weder Klettergurt noch Sicherungsgeräte gab, war stürzen sehr gefährlich. Nicht selten endete ein Sturz tödlich, und deshalb wurden auch nur wenige Sicherungspunkte angebracht. Oft dienten diese nur dazu technisch voran zu kommen.

In der zweiten großen Erschließungswelle, im Zuge der Rotpunktbewegung, gab es zwar nun schon Sitzgurte, dyna‎mische Seile und Bühlerhaken, aber die Absicherung blieb oft sehr spärlich. So mussten die Bohrlöcher für die Haken per Hand geschlagen werden, was nicht selten pro Loch eine halbe Stunde oder mehr in Anspruch nahm. Auch waren Bühlerhaken Mangelware, da diese noch in Handarbeit gefertigt wurden. Nicht zuletzt waren die Erschließer aus der sächsischen Schweiz (Elbsandsteingebirge), mit den dort sehr weiten Ringabständen, vom „Clean“ Klettergadanken des Yosemities sowie nach wie vor alpinen Vorstellungen geprägt.

Eine grundlegende Änderung setzte erst in den 1990er Jahren ein, Akkubohrmaschinen, gute Verfügbarkeit an Haken und der „Plaisir“ Klettergedanke‎ sorgten nun für gut gesicherte Wege.
Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings schon viele Routen, gerade in den leichten Graden, erschlossen, und somit ist der Anteil an komplett mit Haken ausgerüsteten leichteren Wegen geringer.

Eine flächenmäßige Nachrüstung ist aus ethischen und auch teilweise aus naturschutzfachlichen Gründen nicht möglich. Ein Hakenkrieg, wie ihn die Pfalz erlebt hat, schadet allen Kletterern. In einzelnen Fällen wurde und wird allerdings auch eine Nachsanierung akzeptiert (siehe dazu das Sanierungsstatement).

Für einen Besuch im Frankenjura empfiehlt sich also ein Keilsortiment, ein paar Friends, sowie eine Hand voll Schlingen. Ohne eine vernünftige Selbsteinschätzung und Sachkenntnis im Umgang mit mobiler Sicherung hilft dies aber auch nichts. Gerade die zahlreichen Unfälle mit Sanduhren zeigen hier leider ein Defizit in der Ausbildung der Kletterer – Jeder möge kritisch prüfen, ob wirklich das nötige Wissen besteht.
Auch wenn es manchmal als persönliche Niederlage betrachtet wird, ein Clipstick oder die Frage an einen stärkeren Kletterer, ob er ein Toprope einhängen könnte, hat so einige gefährliche Situationen vermieden.
An einigen Felsen gibt es auch Plaisir-Absicherung. Ein Blick in den Kletterführer hilft oft weiter.

Wir wünschen euch viel Spaß und unfallfreie Tage bei uns!