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Kletterkommune Roter Stern (1972)

Die Sperrung von Felsen aus verschiedensten Gründen zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Frankenjura. Durch den Bau des Wildparks Hundshaupten in den 70er Jahren wurde den Kletterern der Zugang zu zwei zu dieser Zeit durchaus bedeutenden Kletterziele entrissen. Der Teufelsturm (beklettert seit etwa 1910) und das nahegelegene Massiv des Breitenstein (beklettert seit etwa 1930) können seither nur noch von Wildparkbesuchern aus der Ferne betrachtet werden. Die Kletterkommune Roter Stern, eine lose Gruppierung gleichgesinnter Bergfreunde, die sich als “Teil einer fortschrittlichen Bergsteigertradition im Kampf gegen Faschismus und Repression” sah (siehe dazu auch den Artikel von Jorg Bednarczyk in Kurt Alberts Buch Fight Gravity), war damit ganz und gar nicht einverstanden, wie auch die folgende Anzeige in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des T.W.C. Fuchsenstana (1972) zeigt.


TOURISTEN

… die Verfassung des Freistaates Bayern garantiert jedem Bürger freien Zugang zu allen Naturschönheiten!

Dieses Grundrecht wahrt man am besten, in dem man es wahrnimmt!

Roter Stern

Im Zaunsbachtal, einem unserer schönsten und stillsten Juratäler, ist der längst überwunden geglaubte Feudalismus wieder ausgebrochen! Seit nunmehr 1 Jahr verstößt die Grundbesitzerin, Freifrau von Pölnitz – interessanterweise CSU-Landtagsabgeordnete!!! – mit ihrem Privat-Tiergarten, der hochstaplerisch als “Wildpark-Hundshaupten” propagiert wird, permanent und ungestört gegen die bayerische Verfassung!

Obwohl angeblich Privatbesitz an Grund und Boden verpflichten soll, geschieht dagegen trotz Demonstration und Protesten von seiten der fränkischen Bergsteiger und Wanderer nichts!

Den Touristen sind zwei herrliche, markierte Wanderwege im landschaftlich schönstem Abschnitt des Tales versperrt und nur nach Bezahlung von DM 2,- Eintritt pro Person zugänglich. Durch das willkürliche “Kletterverbot” im freifraulichen Mini-Zoo wurden den Kletterern zwei der großartigsten Jurafelsen, Breitenstein und Teufelsturm mit über 20 Kletterrouten bis zu 40m Wandhöhe, buchstäblich gestohlen!

Kletterkommune Roter Stern

Soll das nun auf ewig so bleiben? Nur damit die Freifrau ungestört ihren Profit einstreichen kann?

Sollen wir arbeitenden Menschen, die wir sowieso grundsätzlich um den von uns permanent geschaffenen Mehrwert unserer Arbeit betrogen werden uns jetzt auch wieder vor dem adeligen Grundbesitz ducken und kuschen?

Schluß damit! Wehrt Euch!

Solidarisiert Euch mit den progressiven Kräften der nordbayerischen Bergsteiger und Wanderer. Nehmt Kontakt auf zur

KLETTER-KOMMUNE “ROTER STERN” (K.K.R.S.)
Ruft Nürnberg (täglich ab 18 Uhr) Tel.: 46 87 64

Wir sind kein Verein, sondern eine gesellschaftspolitische Basisgruppe ohne Parteibindung. Aktive und bewußte Bergsteiger aus Nürnberg, Bamberg, Erlangen, Coburg und Neustadt/Aisch arbeiten mit an den wöchentlichen Diskussions- und Schulungsabenden jeden Donnerstag.

Die Solidarität ist die stärkste Waffe der unterprivilegierten Arbeiter im Klassenkampf. Merke: Einen Finger kann man brechen; aber fünf Finger geben eine FAUST!